Mit dem Weihnachtspäckchenkonvoi nach Moldawien

Wieso, weshalb, warum?

Im Oktober 2019 stolperte ich im „Gesichtsbuch“ über einen Aufruf für Helfer des Weihnachtsmannes. Dieser hat die Organisation „Round Table“ um Unterstützung gebeten. Viele arme Kinder in Osteuropa bekommen nämlich keine Weihnachts-geschenke.
Durch die Zusammenarbeit mit anderen Organisationen entstand der WEIHNACHTSPÄCKCHENKONVOI.

Kinder helfen Kindern

Dabei sammeln (sehr viele!) Kinder in Deutschland Spielsachen, Süßigkeiten und andere Dinge, die sie gerne selbst in einem Weihnachtspaket finden möchten. Schön verpackt werden diese vielen Päckchen gesammelt und vom Konvoi direkt bei den Bedürftigen abgegeben.
Das ist der große Unterschied zu vielen anderen Hilfslieferungen, welche die Verteilung nicht selbst übernehmen, sondern diese Aufgabe von vertrauenswürdigen Helfern vor Ort erledigen lassen.
Nach eine kurzen Telefonat mit Tommy (Thomas Führer),
einem der Gründer der Weihnachtspäckchenkonvoi-Idee, war klar:
„Ich kann auf russisch nach dem Weg fragen (und Bier bestellen) und hab einen „2er-Führerschein“ – also:
Ich bin dabei!!!“
Da ich gerne selbst LKW fahren wollte und mein Zielland Moldawien kein EU-Mitglied ist,
mussten noch schnellstens diverse, deutsche Formalitäten erledigt werden.
Dann konnte es losgehen. Bei einer Fahrerbesprechung am 29.November bekam ich erste Einblicke in die Dimensionen des Unternehmens.
Es sollten insgesamt 39 große LKW’s, diverse Busse für die Helfer und 293 Leute auf den Weg nach Osteuropa gehen.

Weihnachspäckchen - Routen
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Samstag, 30. November

Es geht los!!!

Am Samstagvormittag trafen sich alle Mitfahrer am Envionik-Gelände in Hanau. Hier nahm der „Wahnsinn“ Gestalt an: „Es erhob sich ein großes Brausen und Getöse“.
Kisten, Päckchen, Koffer und viele andere Sachen wurden rum geschleppt, Schneeketten verteilt, Listen kontrolliert usw. Und hier schon ganz viel Freude, weil sich Freunde von früheren Touren wieder getroffen haben.
Von da an bekamen viele eine Woche lang das Grinsen nicht mehr aus dem Gesicht.
Nach offizieller Verabschiedung von und durch sehr wichtigen Menschen und einem großen Gruppenfoto, hieß es wirklich pünktlich um 11 Uhr: Aufsitzen, Motoren starten und auf geht’s.

Gruppenbild WPK2019

Richtung Süd-Ost

Am Samstagabend wurden wir von Freunden der Organisation(en) beim Merzedes-Benz-Zentrum in Passau mit Kuchen, Würstchen, Kaffee und vielen mehr empfangen.
Auch hier trafen wieder Freunde auf Freunde. Auch deren große Herzlichkeit wird mir dauerhaft im Gedächtnis bleiben.

Auf nach Ungarn


Nach einem kurzen Medientermin und einem weiteren Gruppenfoto für die Presse, verließen wir nun Deutschland in Richtung Südost.

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Sonntag, 01. Dezember 2019

Durch die Nacht in Richtung Transsilvanien.

Nach dem Verlassen Deutschlands führte uns unser Weg mit einem Tankstopp in Loosdorf bei Wien, an Wien vorbei und durch die ungarische Puzsta an die ungarisch/rumänische Grenze.
Die erste richtige, kurze Pause erlebten wir beim Sonnenaufgang in der rumänischen Steppe in Siebenbürgen. Dort begrüßten uns die Karpaten bereits aus der Ferne.

Karpaten

Da die Autobahnen in Rumänien wahrscheinlich auch von den Kollegen des BER gebaut werden, durften wir einige Dutzend Kilometer rumänische „Staatsstraßen“ kennen lernen. Dabei ist aufgefallen, wie groß die sozialen Scheren in diesem, eigentlich sehr armen Land sind.
Neben ärmlichsten Bauernkaten stehen bereits schöne Häuschen, wie wir sie nur von zu Hause kennen. Bevor es wieder auf die wirklich perfekt ausgebaute und teilweise beleuchtete Autobahn ging, stand ein größerer Boxenstopp in Diemrich an. Hier fanden wir ein wirklich tolles Einkaufszentrum vor, welches sich vor keinem deutschen Center verstecken braucht. Es gibt hier wirklich ALLES. Die Läden, Cafes und Restaurants, sowie die sanitären Anlagen sind Oberklasse. Auf den Parkplätzen sieht es (fast) so aus, wie bei einem Supermarkt in Deutschland. Bei jedem Imbiss und bei jedem Geschäft ist Kartenzahlung Standard.

Einkaufszentrum Diemrich

Die sechs großen Trucks unseres Konvois, durften den Parkplatz nicht benutzen und mussten sich „Auswärtsquartiere“ suchen.
Von hier bis Brasov waren meine ersten Fahrkilometer angesagt. Auf einen solch modern Truck wie den aktuellen ACTROS 1845 war ich als alter W50-Fahrer überhaupt nicht vorbereitet. So durfte ich erstmal einige der vielen Schalter und Knöpfchen kennen lernen. Die meisten davon sind für mich heute noch ein großes Geheimnis. Mein Fahrlehrer „Bugi“ half mir großartig die wichtigsten zu benutzen und den Truck einigermaßen auf Spur zu halten. So ein 19-Meter 40-Tonner fährt sich zwar dank moderner Technik komfortabel, aber trotzdem recht „gewöhnungsbedürftig“.

Durch die Karpaten

In Brasov wurden wir bereits in einem tollen Restaurant zum Abendessen erwartet.

Restaurant Conacul Lu' Bebe

Bei transsilvanischer Musikfolklore und leckerem Essen konnten wir so richtig durchschnaufen und Leib und und Seele volltanken.
Da es von hier an wieder durch die Nacht und zusätzlich über die Karpaten ging, übernahm Bugi doch wieder das Steuer. Ich war dafür nicht undankbar, da dies doch keine leichte Aufgabe war. Der Oituz-Pass war bei Nacht und Schnee nicht unbedingt für Amateurfahrer als Einstiegsübung gedacht.
Gegen Morgen traf unser Konvoi dann an der EU-Außengrenze ein.
Da alle notwendigen Dokumente bereits von den fleißigen Elfen in Deutschland an die Zollkontrolle in Leuseni übermittelt wurden, sollte einem reibungslosen Grenzübertritt eigentlich nichts mehr im Wege stehen .

Allerdings hatten wir nicht damit gerechnet, dass die Zöllner die Dokumente auf speziellem Papier mit Wasserzeichen gedruckt werden müssen. Und für solch spezielle Fälle wie etwas größere Hilfskonvois war dort wohl keiner gewappnet. Wenigstens die beiden Busse konnten doch nach einer gefühlten Ewigkeit in Richtung Hauptstadt abreisen.
Für die LKWs wurde es nicht ganz so einfach, da nur noch „Spezialpapier“ für fünf Fahrzeuge vorrätig war. Nach laaangem Palaver durften wenigstens diese 5 Trucks den Zollbereich verlassen. Für den sechsten wurden dann irgendwann von irgendwo einige leere Blätter „Spezialpapier“ aufgetrieben, so dass auch dieser endlich im Laufe des Vormittages ins Land einfahren durfte. Beamte und Behörden sind wohl doch auf der ganzen Welt gleich (siehe Passierschein A38).

Angekommen in Chişinău

In Chişinău wurden wir in dem wirklich tollem Bernardazzi Grand Hotel freundlichst empfangen und konnten wenigstens einige Stunden in den luxuriösen Suiten erholen.
Die „diensthabenden“ Trucker hatten leider weniger Glück und konnten den Komfort nur sehr, sehr kurz in Anspruch nehmen, bevor uns die Konvoi Leitung zur letzten großen Besprechung bei einem tollen Frühstück zusammenrief.

TOMMY

(PS.: Die kommenden Nächte waren mit diesem Hotel nicht wirklich vergleichbar, die Preise allerdings auch nicht!)

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Montag, 02. Dezember 2019

Auf in den Norden

Am Montag trafen sich die moldawischen Truppen beim Zollhof um sich in die verschiedenen Einsatzgebiete aufzuteilen. Alle LKWs waren bereits entzollt, so dass wir nach einem offiziellen Pressetermin starten konnten.
Von da an fuhren wir die meiste Zeit unter „Polizeischutz“ auf mehr oder wenig befestigten Straßen, um die bereits sehnsüchtig erwarteten Päckchen zu verteilen.
Jeder LKW hatte ca. 28.000 davon an Bord und wurde von einem Minibus mit den fleißigen Helfern und dem 3. LKW-Fahrer begleitet.
Die erste Abladestelle in Rîșcani erreichten wir erst bei Dunkelheit und Schneetreiben.
Da die meisten von uns neu „im Geschäft“ waren, verlief die Aktion noch nicht ganz so professionell, wie am Ende unserer Reise.
Viele Kisten wurden in einem großen Saal gestapelt, aber einige auch vor dem Gebäude für die wartenden Kinder geöffnet. Dabei bekam ich zum ersten Mal eine ungefähre Vorstellung davon, was mich die nächsten Tage erwarten wird. Wenn es hier auch nur wenige Kinder waren, so war deren Freude doch schon so groß, wie ich es nicht erwartet hätte.

Mein Foto 2019

Nach einer weiteren Fahrt durch Dunkelheit und Schnee, trafen wir am Abend bei der nächsten, viel größeren Verteilungsstation in Edineț ein.

Unsere ständigen Begleiter
Unsere ständigen Begleiter

Hier wurden wir in einer großen Aula von ca. 600 Schulkindern erwartet.

gespanntes Warten

Als die entsprechenden Kisten mit den vielen Geschenken auf einer Bühne aufgebaut waren, begann die große Geschenke-Aktion. Sortiert nach Altersklassen kamen nach und nach alle Kinder auf die Bühne um sich ihr Geschenkpäckchen abzuholen. So viel Freude auf einmal, konnte ich mir bis dahin gar nicht wirklich vorstellen.
Hier konnten wir dann auch im kleinen Florentina Hotel endlich die Knochen ausstrecken und bei einem traditionellen Nationalgericht (Schnitzel mit Pommes) und einem leckeren moldawischen Bierchen den Tag Revue passieren lassen.

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Dienstag, 03. Dezember 2019

Im moldawischen „Hohen Norden“

Nach diversen Umplanungen fuhren wir wieder „unter Polizeischutz“ zur nächsten Ab- bzw. Umladestelle in Donduseni.
Da wir mit dem großen Truck nicht den Kindergarten nicht erreichen konnten, wurden die benötigten Pakete kurzerhand in einen örtlichen Bus der „COMMANDA“ verladen und wir fuhren mit diesem und dem Minibus zu den Kindergärten.

Gemeinsam sind wir stark

Hier packten wir die Päckchen erst aus und sortierten diese nach Mädchen- und Jungs-Geschenken. Das erwies sich dann bis zum Ende der Tour als äußerst hilfreiches Vorgehen, um den Ansturm der vielen Kinder bewältigen zu können.
Nachdem alle Päckchen sortiert und aufgebaut waren, wurden diese von uns persönlich an die Kinder übergeben. Die dabei entstehende Freude und Dankbarkeit war total überwältigend. Einige von uns hatten doch wirklich die eine oder andere Freudenträne in den Augen.
Manche Kinder, vor allem die ganz kleinen, wussten allerdings gar nicht so recht, was da vor sich geht. Da kommen fremde Menschen in komischen bunten Klamotten und mit einer ebenso komischen Sprache einfach so in IHREN Kindergarten. Was wollen DIE bloß von uns. Nachdem der erste Schock aber verdau und ein paar Tränchen verdunstet waren, merkten die Kleinen aber doch, dass wir ihnen nichts Böses wollen.
Entsprechend wuchs die Begeisterung gleich an.

Auch im zweiten Kindergarten in dem Städtchen verlief die Aktion genau so. Nur waren hier noch viel kleinere Kinder dabei, deren Staunen, „Angst“ und Freude gleich noch größer war. Schon ein einzelner Luftballon oder ein Minitütchen Gummibärchen erzeugte staunende Gesichter.
Vor allem unsere beiden holländischen Freunde waren als Weihnachtsmannstellvertreter unübertroffen!!!

Die Unübertroffenen
The Oranje-Emotion-Team

In Plop

Ein weiterer, eigentlich ungeplanter Zwischenstopp war das kleine Örtchen Plop.
Hier „versorgten“ wir ebenfalls einen Kindergarten, sowie eine Schule mit Geschenken.
Im Kindergarten saßen alle Kinder im Kreis und einige von ihnen sagten ein kleines Gedicht auf. Auch wenn wir nicht wirklich etwas davon verstanden haben, haben wir doch den „Geist der Weihnacht“ darin erfahren können.
In der Schule bekamen auch die „Teenies“ ein Geschenk und auch sie haben sich nicht weniger als die Kleinen darüber gefreut.

Saft

Nach einer kleinen Dankesrunde beim Direktor mit entsprechendem „Saft“ waren die Verteilaktionen für diesen Tag beendet und es ging weiter zum letzten „Abladeort“ des heutigen Tages.

Drochia

Auch in Drochia, waren die Straßen nicht für unseren Truck gebaut. Somit wurden auch hier die entsprechenden Geschenke in einen Transporter umgeladen und zum Kindergarten transportiert.
Auch hier war die Freude und Dankbarkeit riesengroß, als wir die Geschenke den kleinen Moldawiern in die Hände geben durften.
Zurück am LKW hieß es wieder aufsitzen und auf in Richtung Osten nach Recina, wo wir am Abend eintrafen.

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Mittwoch, 04.Dezember 2019

Recina, an der Grenze zu Transnistrien

Hier in Recina wurden wir vom Bürgermeister und dessen Stellvertreter bei einem feinen Abendessen in seiner Stadt und (seinem) Restaurant empfangen.

Recina

Da es aber für die Bescherungsaktionen heute zu spät war, wurden die für den nächsten Tag geplant.
Im „besten Hotel der Stadt” konnten wir uns für den letzten großen Verteilungstag ausruhen.

Hotel Anastasia

Nach einem ordentlichen Frühstück gut gestärkt, konnten wir mit dem LKW direkt zur nächsten Schule (Alexander der Gute) starten um auch dort viele Kinder etwas glücklicher zu machen.
Auch hier wie im Kindergarten gegenüber, wurden zuerst die entsprechenden Pakete ins Gebäude getragen und die Geschenkepäckchen ausgepackt. Anschließend wurden diese den Kinder von den fleißigen Helferinnen und Helfern wieder persönlich übergeben.
Nach einer etwas komplexen Rückwärts-Rangiererei erreichten wir auch die letzten beiden Übergabestellen in Rezina.
Von den Teenagern unterstützt gelangten wieder viele große Pakete in die Schule „Liceul Teoretic Olimp“.

Alle helfen mit

Criuleni, nahe Chişinău

In Criuleni wurden wir von Michael, dem gerade neu gewählten Bürgermeister erwartet. In einem fast perfekten Deutsch erklärte er die Freude seiner Stadt und vor allem „seiner“ Kinder über unser Kommen.

Bürgermeister Michael

Auch in Criuleni wurden wegen der engen Straßen die Pakete auf einen Transporter umgeladen und zum Kindergarten transportiert.
Wieder folgten wir unserem, nun perfekt eingespielten Ablaufplan: Kisten schleppen, auspacken, sortieren und zur Belohnung: Das Verschenken.
Wie auch schon bei allen vorhergehenden „Veranstaltungen“ war die Freude und Dankbarkeit bei den Kindern und bei den Angehörigen überwältigend.
Im selben Gebäude befand sich auch noch eine Station für schwer behinderte Kinder. Darüber möchte ich allerdings nichts berichten, da mir diese Situation doch zu sehr unter die Haut ging und ich mich hier zurückgezogen habe.
Nachdem alle Geschenke verteilt waren, wurde es leider für einen letzten „Auftritt“ zu spät. Somit übernahm Michael die Verantwortung, die Pakete und die darin enthaltenen Geschenke persönlich entgegen zunehmen und darüber zu wachen, bis jedes Kind wirklich ein Geschenk erhalten hat. So wie ich ihn kennen lernen durfte, vertraue ich ihm da vollkommen.

In der Nacht nach Chişinău

Ich war froh, die Tour nach Criuleni gefahren zu sein. Nun hieß es nämlich im Feierabendverkehr und im Dunkeln ins Zentrum der moldawischen Hauptstadt Chişinău zu fahren.
Nach den ersten Kilometern bis zum Stadtrand folgten wir der Polizeieskorte wie immer recht entspannt (soweit man das bei den Straßen behaupten kann).

Am Stadtrand, in den ersten Staus waren wir doch heilfroh, dass wir den Polizisten folgen konnten. Diese waren, gelinde gesagt, recht „schmerzfrei“ unterwegs und schufen mit ihren tollen Blinklichtern, ihren Supersirenen und vor allem ihrer Fahrweise eine „Gasse“ für unsren 40-Tonner. Dieser wurde in diesem Fall wieder von unsrem Profi Bugi gesteuert hat. Ich selbst wäre wohl irgendwann ran gefahren und ausgestiegen.
Sollte der Stau auf unserer Fahrbahnseite doch mal zu undurchdringlich gewesen sein,
kein Problem – ab direkt in den Gegenverkehr!!!
UiUiUi – sowas hat wohl niemand von uns jemals vorher erlebt!
Am Sammelplatz in Chişinău angekommen, war fürs erste mal Feierabend.
Ab ins Hotel, eine heiße Dusche und auf zum Abendprogramm.

Weingut „CRICOVA“

Weingut „CRICOVA“

Als Dank für unseren Ren(n)tier-Einsatz, wurden wir am Abend in den größten Weinkeller der Welt (!) eingeladen. Das Weingut Cricova wird uns sicher noch lange in bester Erinnerung bleiben.
Nach einer imposanten Führung durch die unermesslichen Katakomben erwartete uns ein feiner Empfang mit Weinprobe. Hier konnten die Kenner die wahre Qualitäten des moldawischen Weines kennen lernen.

Merkel-Wein
Nicht von ungefähr lagern hier die Weine von vielen prominenten Weinfreunden.
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Donnerstag, 05.Dezember 2019

Der letzte Tag?

Nach einem „langen Abend“ und einer kurzen Nacht, trafen nach und nach alle „Rentiere“ beim Frühstück im tollen Bernardazzi Grand Hotel ein.
Nach gefühlten vielen Stunden stand auch die Organisation des letzen Tages in Moldawien.
Überraschenderweise erhielten wir eine Einladung zum Präsidenten.
NEIN, nicht der örtliche ADAC-Präsident, sondern DER Prädident.
Der Präsident der Republik Moldau Igor Dodon hat uns in tatsächlich in sein „Büro“ eingeladen.

Mr. President ?
Der Chef lässt auf sich warten.

Leider war Mr. Präsident an diesem Tage nicht im Haus, aber es war uns eine große Ehre, in seinen „Palast“ eingeladen worden zu sein.

Chisinau Präsidentenpalast1
Chisinau Präsidentenpalast

Gegen Mittag war dann auch geklärt, wie wir unsere restlichen Weihnachtspäckchen rund um Chisignau verteilen können.
So wurden die Pferde gesattelt und wir machten uns auf den Weg.

Nimoreni

In Nimoreni, im Rajon Ialoveni, konnten wir noch einmal die Freundlichkeit, die Freude und Dankbarkeit der moldauischen Menschen erleben.
Hier konnten wir ausnahmsweise auch einmal erleben, was für Reaktionen die Inhalte der Päckchen auslösten. Ansonsten blieben die Päckchen nämlich geschlossen. Einerseits sollten die Kinder wohl nicht gleich untereinander vergleichen und tauschen, andererseits entspricht unser Weihnachtsfest dem Jolka-Fest, welches erst zu Beginn des neuen Jahres gefeiert wird.
Allerdings sorgten schon die bunten, schönen Verpackungen große Augen. Auch die Düfte, die aus manchem Päckchen strömten (ich vermute mal Weichspüler, Süßigkeiten und andere aus den „Westpaketen“ bekannte Gerüche) lösten schon Freude aus.
Dass Teenager sich über Püppchen, Malhefte oder Buntstifte so dolle freuen können, hätte ich nicht gedacht.

Freude

Hînceşti

Hînceşti, der letzte Stopp unserer Weihnachtstour, liegt im gleichnamigen Rajon.
Hier befindet sich das „Şcoala Internat“.
In diesem werden Waisenkinder und schwer(st) behinderte Kinder betreut.

Da mir das persönlich auch wieder zu Nahe ging, hab ich hier lediglich geholfen, die Pakete vom LKW zu hieven und auf einen intensiveren Kontakt zu verzichten.

Leer, und doch nicht leer

Nun waren (fast) alle Päckchen verteilt , und nur noch ein kleiner Rest sollte auf einen Transporter umgeladen und hier abgeholt werden.

Der letzte Akt
Der letzte Karton?

Wir waren also noch ca. 40 Kilometer von der Grenze entfernt.
Aber da erreichte uns die Info, dass wir noch für eine Filmaktion zurück nach Cisinau kommen sollen. Irgendjemand hatte die Tolle Idee, die „Coca-Cola-Weihnacht-Trucks“ zu toppen und den Konvoi mit Polizeieskorte aus der Hauptstadt filmisch zu begleiten.
Also zurück zur Hauptstadt, KEINE Filmaktion und dafür gemeinsam mit allen Moldis in Richtung Grenze zu fahren.
Jetzt ging es also wieder Richtung Heimat.


5. – 7. Dezember 2019

2.000 Kilometer Richtung Nordwest

Am Abend des Donnerstags trafen wir an der europäischen Aussengrenze ein. Dank der tollen Unterstützung der Offiziellen und den Medien Moldawiens, war die Abwicklung an der moldawischen Grenzseite gar kein Thema.

Allerdings unterlief uns am rumänischen Zoll ein kleiner Fauxpas, über den ich mich hier lieber mal ausschweige. 
Hier half wieder einmal das alte Sprichwort: „Beziehungen schaden nur dem, der keine hat.

Pause vs. Kilometer

Unser Dienstwagen
Unser Dienstwagen

Während der Heimreise kam es immer mal wieder zu kleinen Diskussionen über den einen oder anderen Boxenstopp. Da alle schleunigst nach Hause oder einen Flieger in Frankfurt erreichen wollten, wurde in Rumänien nur ein Mini-Stopp eingelegt. Hier zeigten die fleißigen Helferlein ihre Qualitäten bei der Truppenversorgung.
Vielen lieben Dank dafür!

Rast an der ungarischen Autobahn
Boxenstopp in Ungarn

Einen weiteren Boxenstopp gab es in Ungarn. In der Autobahnraststätte wurde natürlich der leckere ungarische Gulasch verkostet und für gut befunden.

Von nun an ging es ohne schuldhaftes Verzögern (fast) Non-Stop durch bis zur letzten gemeinsamen Rast in Geiselwind, dem größten Autobahn-Rasthof Deutschlands.
Nach Geiselwind löste sich der Konvoi langsam, aber sicher auf und wir fuhren nicht mehr so „ordentlich“ zusammen hintereinander her.
Jeder gab seinem „Pferdchen“ die Sporen, weil wir nach fast 52 Stunden auf den Beinen endlich nach Hause wollten.
Etliche MitfahrerInnen hatte ja auch eine sehr weite Heimreise vor sich. Da war ich mit meinen 15 Kilometern wohl der Gewinner der weitesten Anreise und lag schon in der (eigenen) Badewanne, während andere noch stundenlange Fahrten vor sich hatten.

Dreamteam
Das Dreamteam Moldawien Nord II

Von Geiselwind aus war es auch nur noch ein Katzensprung den Spessart hinab nach Hanau. Hier trennten sich gegen Samstagmittag alle unsere Wege, wobei auch wieder viele Emotionen im Spiel waren.
Verabredungen für die nächste Tour wurden getroffen, Adressen getauscht und ganz dolle Tschüss gesagt.


RESUME

Nach einigen Tagen Abstand wage ich nun langsam einen Blick zurück.

  • eine anstrengende Woche
  • viele neue “dicke Kumpel”
  • viele Kilometer (ca. 5.000!)
  • einige neue Freunde
  • viel Stress
  • viel Freude
  • viel Arbeit
  • viele Dankbarkeit
  • einiges “Gemecker”
  • einiges “Lob”
  • viele Emotionen

Alles in allem: Eine ganz tolle Erfahrung, die ich nicht missen möchte und
von der ich noch lange positiv zehren werde.
Soweit es mich betrifft und ich es “einrichten” kann, bin ich beim WPK2020 wieder dabei!!!